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meine scripts, folge 1:
Die Augen vom Vater von Ödipus haben sicher nicht so super geschmeckt, wie man sich das immer vorstellt

Szene I:

Wüste. Anbruch der Dunkelheit. Das Bild ist in orange gehüllt. Ein junger Mann läuft langsam in Richtung Kamera. Er trägt nur eine kurze Hose und eine Fernseherfernbedienung mit sich herum. Er grinst. Lautes, langsames Herzklopfen hörbar.

Schnitt. Ein kleines Zimmer. Komplett leer. Nur in der hintersten Ecke rennt eine kleine Ratte unentwegt mit dem Kopf gegen die Wand.

Schnitt. Der junge Mann geht weiter. Er steht direkt vor der Kamera. Seine Augen funkeln. Er legt sich hin, steckt die Arme zu beiden Seiten von sich. In der einen Hand hält er noch immer die Fernseherfernbedienung.

Schnitt. Das kleine Zimmer. Komplett leer. Die Ratte rennt nur noch mit halber Geschwindigkeit gegen die Wand.

Schnitt. Der junge Mann schließt die Augen und atmet tief ein.


Szene II:

Ein edler Tisch in einem englischen Herrenhaus am Stadtrand von London. Mutter, Vater und Sohn, der junge Mann aus Szene I, sitzen in Jacketts beziehungsweise Damenanzug bekleidet und brunchen. In der Ecke steht eine Bedienstete. Im Hintergrund seichte Klaviermusik. Dialog.
Junger Mann: Ich gehe heute Abend auf eine super Fete.
Vater: Nein.
Junger Mann: Aber wieso das denn?
Vater: Du bist noch zu jung für so was. Du musst lernen.
Junger Mann: Ich bin 22. Und gelernt habe ich schon.
Vater: Auf diesen Parties ist die Sünde zu Hause. Du bleibst hier und lernst Rechnungswesen, damit du eines Tages meine Pferderennsportfirma übernehmen kannst.
Junger Mann: Aber Vater, ich will Kunst studieren. Und ich gehe heute auf die Party. Kunst!

Schnitt. Ein kleines Zimmer. In der Mitte tanzt eine Ratte Cha-Cha-Cha. Sie trägt einen Rock aus Bambushülsen.

Vater: Außerdem fliegen wir übermorgen schon. Schone dich.
Junger Mann: Ich gehe auf die Party!
Vater (mit rotem Kopf): Auf dein Zimmer. Und da kommst du bis morgen nicht mehr raus.

Schnitt. Ein kleines Zimmer. Die Maus wirft den Rock ab und rennt in die Ecke das Zimmers. Sie schämt sich ihrer Nacktheit nicht, doch sie ist innerlich aufgewühlt.


Szene III:

Dunkelheit. Stille. Ein Schluchzen. Noch ein Schluchzen.


Szene IV:

Camp in der Wüste. Vater und Sohn sitzen vor einem Fass. Im Hintergrund weitere Fässer, ein Zelt, ein Fernseher, ein Bediensteter. Sonst nur Wüste. Vater und Sohn pokern. Dialog.
Vater: Gewonnen! Wie du spielst. So wird aus dir nie was.
Sohn: Ich gehe jetzt schlafen.
Vater: Nein, wir spielen weiter!
Sohn: Aber ich will Kunst studieren!
Vater gibt die Karten.


Szene V:

Dunkelheit. Stille. Ein Schluchzen. Noch ein Schluchzen.


Szene VI:

Hinter dem Zelt. Der Sohn alleine. Er bastelt an einer Fernseherfernbedienung. Dann am Fernseher. Er steckt einen Draht in eines der Fässer. Zoom auf das Fass. Es steht Benzin drauf. Aber in Wüstensprache, also wird ein Untertitel benötigt. Der Untertitel lautet: Benzin. Der junge Mann grinst breit.

Szene VII:

Der junge Mann verlässt das Camp.
Junger Mann: Ich gehe Wasser holen!
Vater: Gut… das ist aber auch das einzige, was du drauf hast.
Lautes, schnelles Herzklopfen setzt ein. Der junge Mann läuft Richtung Kamera. Das Herzklopfen wird langsamer.


Szene VIII:

Ein kleines Zimmer. Komplett leer. Die Ratte rennt schwach scheinbar ein letztes Mal kraftlos gegen die Wand. Sie fällt um.

Schnitt. Langsames Herzklopfen laut. Der junge Mann liegt auf dem Wüstenboden. Vogelperspektive. Er streckt beide Arme von sich. Zoom auf die Fernseherfernbedienung in seiner Hand. Nach einiger Zeit drückt er den Aus-Knopf. Im Hintergrund explodiert das Camp.

Schnitt. Das kleine Zimmer. Die Ratte steht wieder auf. Sie streift sich den Rock über. Sie tanzt. Sie macht kreisende Bewegungen mit den Armen und singt: „Kunststudium, hey hey, Kunststudium, hey hey…“ Langsame Ausblende.

Fin.


So. Weil Ödipus ja die Augen seines Vaters gegessen hat, dachte ich mir, ich muss jetzt aber mal einen Film machen, der Sigmund Freuds Erkenntnisse thematisiert. Das wird auch mal Zeit, dass so ein Film gemacht wird.
25.6.04 12:15
 
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